Die Lerninhalte richten sich an alle, die sich SAP-Wissen einfach, kompakt und praxisnah aneignen wollen. Unsere Lernplattform bietet Inhalte für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten. So können Sie Ihr Wissen Schritt für Schritt erweitern und sich kontinuierlich zum SAP-Experten entwickeln.
Praxishandbuch dezentrales SAP® Extended Warehouse Management (EWM)
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Die Integration eines dezentralen SAP Extended Warehouse Management auf S/4HANA-Basis mit einem ERP-System ermöglicht komplexe Lagerstrukturen über geografische und systemtechnische Grenzen hinweg. Erst die nahtlose Integration und effi ziente Kommunikation zwischen beiden Systemen gewährleistet durchgängige Prozesse und konsistente Bestandsverwaltung.
Dieses Praxishandbuch richtet sich an Leser, die mit der Einrichtung, Erweiterung oder dem Betrieb eines dezentralen EWM-Systems betraut sind. Es macht Sie mit Schnittstellentechnologien vertraut und behandelt sodann sämtliche Aspekte der Systemanbindung: von der Einrichtung der Lagernummer über die Stammdatenreplikation per ALE und DRF bis zur Belegreplikation mittels qRFC. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf den technischen Einstellungen für die ERP-Integration, der Konfiguration von Webservices und den Mappings zwischen ERP- und EWM-Belegarten. Praxisnahe Erklärungen zu BAdIs und User-Exits zeigen, wie Sie kundenspezifische Anforderungen umsetzen.
Franziska Bernard vermittelt nicht nur das notwendige Wissen für die Ersteinrichtung, sondern versetzt Sie in die Lage, Systemlandschaften zu erweitern, Schnittstellen zu analysieren und komplexe Integrationsprozesse zu verstehen und eigenständig zu optimieren.
- Einrichtung und Erweiterung der EWM-Belegreplikation
- Übertragung von ERPStammdaten an EWM per ALE oder DRF
- Aufbau einer Systemintegration inklusive Anbindung und Customizing
- Schnittstellenerweiterung im ABAP per User-Exits und BAdIs
Leseprobe
2.1 Customizing der Lagernummer
Ich beginne nun mit der Erläuterung des Beispielszenarios.
Wie bereits in Abschnitt 1.4 erwähnt, gehe ich mit einigen gegebenen Strukturelementen in die Einrichtung: dem Werk und den Lagerorten des EWM-Lagers (siehe Tabelle 2.1).
| Organisationselement | Bezeichnung |
|---|---|
| Werk | ETW1 |
| Lagerort ROD | ET10 |
| Lagerort AFS | ET20 |
Tabelle 2.1: Bereits gegebene Elemente
Sie beginnen mit dem obersten Strukturelement, das im SAP ERP eingerichtet werden muss: der ERP-Lagernummer.
Dafür gehen Sie in die Transaktion SPRO und öffnen folgenden Pfad: Unternehmenstruktur • Definition • Logistics Exection • Lagernummer definieren.
Wie aus Abbildung 2.1 ersichtlich, definieren Sie hier die dreistellige Lagernummer, die später von Ihrem dezentralen EWM verwaltet werden soll.

Abbildung 2.1: ERP-Lagernummer definieren
Nun ordnen Sie die Lagernummer dem Werk und den Lagerorten zu.
Wechseln Sie dazu zu folgendem Pfad in der SPRO: Unternehmensstruktur • Zuordnung • Logistics Execution • Lagernummer zu Werk und Lagerort zuordnen.
Hier ordnen Sie, wie in Abbildung 2.2 dargestellt, die Lagernummer beiden Lagerorten aus unserem Werk zu.

Abbildung 2.2: ERP-Lagernummer Werk/Lagerorten zuordnen
So weit, so gut – und für die WM-erfahrenen Kollegen unter den Lesern nichts Neues.
Nun geht es weiter zu den Einstellungen, die nötig sind, um daraus ein EWM zu machen.
Dazu wechseln Sie in den folgenden Customizing-Pfad der SPRO: Logistics Execution • Integration Extended Warehouse Management • Grundkonfiguration der Anbindung • SAP-EWM-spezifische Parameter konfigurieren.
Nun kennzeichnen Sie die zuvor angelegte Lagernummer als EWM. Suchen Sie hierfür den entsprechenden Eintrag. Dieser sollte automatisch auftauchen.
Wie in Abbildung 2.3 dargestellt, wählen Sie im Feld Extern.WM den Schlüsselwert E EWM (Extended Warehouse Management) aus.

Abbildung 2.3: ERP-Kennzeichnung als EWM
Aber Vorsicht: Das bedeutet zunächst nur, dass die Lagernummer sich der Funktionalitäten des EWM-Core bedient. Damit die Lagernummer ein dezentrales System darstellt, müssen später noch weitere Einstellungen im Customizing vorgenommen werden.
Nun lassen sich in dieser Tabelle weitere Einstellungen zu Ihrem EWM pflegen. Beginnen Sie mit dem Feld Vert.modus, was für »Verteilungsmodus« steht. Hier wählen Sie, wie in Abbildung 2.4 ersichtlich, zwischen zwei Modi.

Abbildung 2.4: ERP-Lagernummer – Verteilungseinstellungen
Der Modus Verteilung sofort bei Belegerstellung bewirkt, dass Belege unmittelbar bei Verbuchung an die hier gepflegte Lagernummer verteilt werden. Sie sind also sofort im EWM sichtbar und werden dort weiterbearbeitet.
1 Verteilung zurückhalten bedeutet, dass in der Lieferung zunächst nur das Verteilkennzeichen gesetzt wird, aber noch keine Übertragung ins EWM stattfindet.
Die Verteilung erfolgt separat über eine Funktionalität im Liefermonitor (Transaktion VL06).
Dieser Modus wird üblicherweise gewählt, wenn die Lieferungen nach der Anlage noch verändert werden, bevor ihre Abarbeitung im EWM beginnt.
In Abbildung 2.4 sind noch drei weitere Felder zu erkennen. Auf die Funktionalität von zwei davon möchte ich kurz eingehen.
Das Feld UL ist ein Spezialfall und nur für Lagernummern relevant, die das Szenario Direct Delivery verwenden.
Das nächste Feld in der Tabelle ist ChrgFndEWM, was für »Chargenfindung im EWM« steht und für diejenigen unter Ihnen spannend ist, die eine Chargenverwaltung im Einsatz haben. Denn dieses Feld steuert, welches System die Chargenfindung für eine Auslieferung übernimmt. Setzen Sie hier einen Haken, wird die Lieferung ohne spezifische Chargenauswahl in Ihr EWM übertragen. Nur die Chargenauswahlkriterien werden vom ERP als Teil der Lieferung an das EWM repliziert.
Replizierung bei einem eEWM
So mancher Leser wird sich bereits gewundert haben, warum auch bei Einstellungen, die für ein eEWM getroffen werden, von Replikation und Verteilung die Rede ist. Das kommt daher, dass auch dort eine Umsetzung von einem ERP- in einen EWM-Beleg erfolgt. Obwohl die Belege das System technisch nicht verlassen, werden sie doch innerhalb des Systems verteilt bzw. repliziert.
Navigieren Sie zu dem letzten sichtbaren Feld in Abbildung 2.4 mit der Bezeichnung WE aus EWM. Hier steuern Sie, welches System den Wareneingang (WE) zu einem Fertigungs- oder Prozessauftrag starten kann. Standardmäßig ist das Feld deaktiviert, und somit legen sowohl Ihr ERP als auch Ihr EWM Anlieferungen zu einem Prozess- oder Fertigungsauftrag an und buchen WE. Wollen Sie sichergehen, dass es zu keiner Überlieferung durch die parallele Bearbeitung in zwei Systemen kommt, begrenzen Sie mit diesem Haken die Buchung des WE auf Ihr EWM.
Damit ist die Tabelle aber noch nicht zu Ende. In Abbildung 2.5 sehen Sie die weiteren dort zu pflegenden Felder.
So steht Komm.extLV für »Kommunikation mit dem Externen Lagerverwaltungssystem«.

Abbildung 2.5: ERP-Lagernummer – Kommunikationseinstellungen
Zwar können Sie in Abbildung 2.5 erkennen, dass es sich hier um ein Dropdownfeld handelt, zur Auswahl steht Ihnen dabei aber nur der Wert Q Asynchroner RFC mit Queue und Serialisierung. Diese Einschränkung stammt vom zuvor im Feld Extern. WM gewählten Wert EWM aus Abbildung 2.3. Hier steht nur die Kommunikation per qRFC zur Verfügung.
Anschließend sehen Sie das Feld LiefÄnd. Es steuert, ob bereits verteilte Lieferungen für das ERP änderbar bleiben.
Standardmäßig werden verteilte Lieferungen im ERP zur Bearbeitung gesperrt. Benötigen Ihre Prozesse aber weitere Änderungen an den Lieferbelegen, erlauben Sie das mit diesem Haken für Ihre Lagernummer.
Felder, die das SAP EWM nicht betreffen, ändern Sie wie sonst auch im Standard üblich.
Aber Vorsicht bei Feldern, die das SAP EWM betreffen! Dies gilt nur für folgende Szenarien:
- Details wie die Menge oder Charge lassen sich nur bis zum Erstellen der Lageraufgabe im EWM im ERP ändern.
- Das Transportmittel kann nur bis zum Erstellen der Transporteinheit im EWM im ERP geändert werden.
- Texte lassen sich nur bis zum Erstellen der Auslieferung im EWM im ERP ändern.
Diese Änderungen lösen beim Speichern Nachrichten aus, die an das EWM verteilt werden.
Ich zeige Ihnen nun noch eine Einstellung, die relevant wird, wenn Sie Serialnummern verwenden. Der Haken im Feld SN dez WMS erlaubt die Erfassung von Serialnummern in Ihrem dezentralen EWM.
Serialnummernverwaltung
Hier ist Vorsicht geboten, denn es gibt keine systemische Sicherstellung, dass Serialnummern systemübergreifend eindeutig sind. Diese muss organisatorisch erfolgen. Es besteht außerdem eine weitere Abhängigkeit. Ist dieser Haken nicht gesetzt, lassen sich bei serialnummerpflichtigen Positionen keinerlei Änderungen der Liefermenge aus dem EWM heraus mehr vornehmen. Das System unterbindet diese.
Das Feld Kundenbestand in Abbildung 2.5 ist das letzte, das noch erklärt werden muss. Damit erlauben Sie, dass für die Lagernummer Lieferungen mit Kundenbestand angelegt werden. Diese Einstellung hat jedoch mehrere Abhängigkeiten.
Zum einen muss es sich hierbei tatsächlich um ein dezentrales EWM handeln. Für Lagernummern eines eEWM lässt sich die Anlage von Lieferungen mit Kundenbestand nicht verbieten. Dies ist standardmäßig immer erlaubt.
Des Weiteren muss Ihr dezentrales EWM einen entsprechenden S/4HANA-Releasestand von mindestens S/4HANA 2022 haben, da nur dieser den Kundenbestand vollständig unterstützt. Vorversionen wie 2019 und 2020 unterstützen Kundenbestand nur über Workarounds.
Und zuletzt müssen Sie in Ihren Schnittstelleneinstellungen die Einstellung »Kundenbestand unterstützen« aktiviert haben. Nur dann funktioniert der Prozess Kundenbestand.
Als Nächstes ist im Customizing der Liefersplit einzustellen.
Kundenaufträge enthalten manchmal Positionen mit mehreren Lagernummern. Damit sich die daraus anzulegenden Lieferungen sauber zwischen den Lagernummern aufsplitten lassen, muss der Split pro Lagernummer erlaubt werden.
Dafür wählen Sie im Customizing in den SPRO-Einstellungen folgenden Pfad: Logistics Execution • Versand • Lieferungen • Splitkriterien für Lieferungen definieren • Lieferungssplit nach Lagernummern. Wählen Sie hier die Aktivität Lieferungssplit pro Lagernummer festlegen.
Dies führt zu der in Abbildung 2.6 gezeigten Übersicht.

Abbildung 2.6: ERP-Lieferungssplit pro Lagernummer
Setzen Sie im Feld Lief.split nach Lagernummer den Haken für Ihre Lagernummer.
Gehen Sie anschließend einen Schritt zurück und wählen Sie die Aktivität Lieferungssplit pro Lieferart festlegen.
Hier wählen Sie alle Lieferarten aus, die zukünftig von Ihrem EWM-System verwendet werden sollen, und setzen den Haken im Feld Liefersplit Lagernr.
In Abschnitt 1.5 habe ich bereits erwähnt, dass ich in diesem Beispielszenario vier Belegarten für das dezentrale EWM verwende. Diese kennzeichnen Sie nun in diesem Customizing-Punkt. Wählen Sie wie in Abbildung 2.7 die Standardbelegarten EL für Anlieferungen und LF für Auslieferungen sowie weiter unten die beiden Z-Lieferarten ZEL und ZTA aus.

Abbildung 2.7: ERP-Lieferungssplit je Lieferart
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